Strom und Solar
Der Photovoltaik Markt boomt und sorgt für Lieferengpässe bei Unternehmen
Warum die Nachfrage nach Modulen die Lieferzeiten verschoben hat und was das für Betriebe bedeutet, die eine Anlage eingeplant haben.
- Rubrik
- Strom und Solar
- Erschienen
- Umfang
- 2 Minuten
In den Solarbetrieben der Region steht das Telefon seit Monaten nicht mehr still. Wer eine Anlage bestellt, wartet. Dahinter stecken zwei Entwicklungen, die aufeinandertreffen: Die Nachfrage nach Modulen ist sprunghaft gestiegen, und gleichzeitig hat die Corona-Pandemie die weltweiten Lieferketten unterbrochen. Zusammen haben beide Effekte die Modulpreise innerhalb eines Jahres um rund 10 Prozent nach oben gedrückt, nachdem sie zuvor jahrelang nur gefallen waren.
Warum zieht die Nachfrage gerade jetzt so stark an?
Den Ausschlag geben nicht Fördersätze, sondern Rekordpreise für Gas und Öl und die Sorge vor einem Versorgungsengpass. Wer seine Energiekosten senken will, landet schnell bei Photovoltaik, Speicher und Wärmepumpe. Diese drei Produktgruppen haben binnen weniger Monate ein außergewöhnliches Wachstum hingelegt.
Die Zahlen aus der Speicherbranche zeigen die Größenordnung: Der Bundesverband Energiespeicher hat für 2021 einen Branchenumsatz von 8,9 Milliarden Euro gemeldet, fast 30 Prozent mehr als im Jahr davor. Ein Rekordwert, und er betrifft nur die Speicher, nicht die Module selbst.
Was haben die Klimaziele mit deiner Wartezeit zu tun?
Das Bundeswirtschaftsministerium hat in seiner Klimaschutzbilanz zu Jahresbeginn selbst eingeräumt, dass Deutschland von seinen Zielen weit entfernt ist. Bis 2030 sollen 80 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen kommen. Erreicht waren im Vorjahr rund 42 Prozent der Stromversorgung.
Diese Lücke lässt sich ohne Photovoltaik nicht schließen, und das heißt: Die Nachfrage, die dich gerade warten lässt, ist keine Modeerscheinung, sondern politisch gewollt und auf Jahre angelegt. Für die Angebotsseite ist das die gute Nachricht. Hohe und verlässliche Nachfrage ist das Signal, auf das Hersteller mit neuen Produktionskapazitäten reagieren.
Wie lange dürften die Engpässe bei den Modulen anhalten?
Die Forschung zur Zellentwicklung an deutschen Universitäten arbeitet seit Jahren daran, den Wirkungsgrad zu erhöhen und Solarstrom damit günstiger zu machen. An der Verfügbarkeit ändert das kurzfristig nichts, denn die Engpässe entstehen nicht in den Laboren, sondern in der Logistik.
Die Einschätzung in der Branche lautet: Mit dem Abklingen der Pandemie lösen sich die Versorgungsprobleme, und die hohe Nachfrage treibt den Aufbau weiterer Produktionskapazitäten weltweit. Beides würde die Lage entspannen. Ein Datum dafür nennt niemand seriös.
Warum ist der Fachhandwerker der eigentliche Engpass?
Selbst wenn morgen genug Module in den Lagern stehen, ändert das wenig an den Terminen. Die Fachkräfte, die Module auf Dächer bringen, Wechselrichter anklemmen und die Anlage abnehmen, sind oft für Monate ausgebucht. Modullieferzeiten lassen sich durch Produktionsausbau verkürzen, Montagekapazität nicht.
Was das praktisch für dich heißt, wenn du eine Anlage planst:
- Angebote früh einholen: Der Termin für die Montage entscheidet über den Projektstart, nicht der Preis des Moduls.
- Nicht auf ein bestimmtes Modul festlegen: Betriebe, die bei der Modulmarke flexibel bleiben, kommen schneller zum Zug.
- Speicher getrennt denken: Die Anlage lässt sich später um einen Speicher erweitern, wenn die Lieferzeit sonst das ganze Projekt aufhält.
- Gewerbliche Projekte zuerst terminieren: Größere Dachflächen binden Montagekolonnen über mehrere Tage und werden deshalb länger im Voraus eingeplant.
Was bedeutet der Preisanstieg für die Wirtschaftlichkeit?
Ein Aufschlag von zehn Prozent auf die Module klingt nach viel, verschiebt die Rechnung aber weniger stark als erwartet.
Material macht etwa drei Viertel der Systemkosten aus, die Module davon nur einen Teil, und gleichzeitig sind die Strompreise deutlich stärker gestiegen als die Modulpreise. Unter dem Strich hat sich die Amortisationszeit in diesem Zeitraum eher verkürzt als verlängert.
Der Engpass ist damit kein Grund, das Projekt zu verschieben. Er ist ein Grund, früher mit der Planung anzufangen.
